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Philo-Wettbewerb 2026/27

16. Philosophie-Wettbewerb am MFG

Erwünscht ist eine philosophische Reflexion zu der Frage:

Brauchen wir einen Gott?

Liebe Schülerinnen und Schüler,

der am 17.11.2011 erstmalig ausgeschriebene „HCG-Philo“-Wettbewerb möchte Themen, Reflexionsformen und Produktarten fördern, die im Lehrplan des Philosophie-Unterrichts nicht oder selten vorkommen, dennoch von philosophischer Bedeutung sind. So werden bevorzugt Themen gestellt, die entweder sehr aktuell sind oder im Interessenhorizont vieler Schüler*innen liegt. Zu erstellende Produktarten sollen nicht die im Regelunterricht geforderten Standardformen von Interpretation und Erörterung sein, sondern freiere Formen, etwa Kritik, Kommentar, Essay, Entgegnung, Dialog, Meditation, Brief, E-Mail, Blog, Gutachten, Bildreflexion etc. Das Thema wird jährlich geändert.

In jedem Fall aber soll die euch gestellte Aufgabe mit den Mitteln philosophischer Reflexion bearbeitet werden. Darin liegt ein direkter Unterrichtsbezug, aber z.B. auch die Chance, dort Gelerntes auf ein lebensnahes Phänomen anzuwenden, ein mögliches Thema für die 5. PK im Abitur vorzubereiten oder eine Studienarbeit im informationstechnischen Format zu erproben.

Buchpreise werden dankenswerterweise vom Förderverein des MFG gestiftet.

Ausschreibungstermin war bisher immer der UNESCO-Welttag der Philosophie, zu dem 2002 der dritte Donnerstag im November erklärt wurde. Ab 2026 wird der Starttermin der 05. November (Geburtstag Margot Friedländers) sein. Einsendeschluss ist immer der 12. Februar, Kants Todestag. Dieser Zeitraum hat für euch den Vorteil, dass er erstens die Weihnachtsferien, meistens auch die Winterferien, einbezieht und zweitens für die Abiturient*innen noch nicht zu spät liegt.

Die Bekanntgabe und Veröffentlichung des Gewinner*innen-Produkts erfolgt am 22. April 2027, Kants 303. Geburtstag. Urkunden und Preise werden dann zum Schuljahresende, für die Abiturienten auf der Abschlussfeier, überreicht.

Ausschreibung des Themas und Sichtung eingegangener Arbeiten liegt in meinen Händen, die Bewertung erfolgt per Mehrheitsentscheidung durch die Philosophie-Lehrer*innen.

Unsere bisherigen Themen waren: 1. „Die Internet-Welt“ (2011/12); 2. „Die Liebenden“ (2012/13); 3. „Alle Menschen sind Philosophen“ (2013/14); 4. „Was ist ein guter Mensch?“ (2014/15); 5. „Gibt es ein richtiges Leben im falschen?“ (2015/16); 6. „Was ist Schönheit?“ (2016/17); 7. „Schulische Werte“ (2017/18); 8. „Selbsterkenntnis“ (2018/19); 9. „Der Sinn des Lebens“ (2019/20); 10. „Wie frei sind wir wirklich?“ (2020/21); 11. „Das Geld“ (2021/22); 12. „Die Klimakrise“ (2022/23); 13. „Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ (2023/24); 14. „Gibt es auf der Welt einen absoluten moralischen Maßstab?“ (2024/25); 15. „Was bedeutet es, Mensch oder menschlich zu sein?“ (2025/26); 16. „Brauchen wir einen Gott?“ (2026/27).

 

So, und hier ist nun eure Aufgabe für den 16. MFG-Philo-Wettbewerb 2026/27:

Schreibe einen philosophischen Essay oder einen anderen philosophischen Beitrag zum Thema: „Brauchen wir einen Gott?“

Erläuterung: Gewünscht ist eine philosophische Reflexion über diese Frage. Religion ist bekanntlich ein eigenes Schulfach, unabhängig von Ethik und Philosophie. Dennoch hat die Frage nach Gott nicht nur Theologen, sondern immer auch Philosophen herumgetrieben. So gibt es in der Geschichte der Philosophie zahlreiche Gottesbeweise. Alle diese verschiedenen Versuche, die Existenz Gottes zu beweisen, genügen heutigen Maßstäben der Logik nicht mehr. Unser heute weitgehend anerkannter wissenschaftlicher Forschungsstand zu dieser Frage lautet: Keiner kann beweisen, dass es ihn – oder sie oder es? – gibt, aber auch keiner, dass es dieses höchste Wesen nicht gibt. Offenbar ist seine Existenz keine Wissens-, sondern eine Glaubenssache. Doch was eine einzelne Person dazu bewegt, diesen Schritt in den Glauben tatsächlich zu gehen oder auch bewusst nicht zu gehen, ist keine reine Privatsache. Damit will ich sagen: Die Glaubensentscheidung lässt sich durchaus mit philosophischen, also grundsätzlichen, Überlegungen, Argumenten wie Gegenargumenten, rechtfertigen. So wissen wir heute z.B., dass gläubige Menschen gesünder und länger leben als ungläubige. Aber ist dies schon ein überzeugendes Glaubensargument? Oft wird auch gesagt, ein Gott, der die von ihm geschaffenen Menschen mit ihren brutalen Kriegen, Krisen und sonstigen Übeln allein lässt, kann nicht glaubwürdig sein. Natürlich haben praktizierende Gläubige auch darauf eine (für sie) schlüssige Antwort.

Spätestens an dieser Stelle wird nun auch klar: Die berühmte „Gretchen“-Frage (bezogen auf Goethes „Faust“): Wie hältst du es mit der Religion und Gott? lässt sich letztlich nur persönlich beantworten. Aber wie überzeugend deine persönliche Antwort für andere ist, hängt wesentlich davon ab, wie gut du sie philosophisch begründen kannst. Warum genügen dir z.B. höchste Werte wie Freiheit oder Gerechtigkeit nicht, ohne noch eine göttliche Rückversicherung dafür zu haben? Oder: Aus welchen Gründen lehnst du eine solche göttliche Garantie ab? Die bloße Auskunft, dass du den Glauben oder Unglauben von deinen Eltern einfach nur übernommen hast, ist da philosophisch nicht so überzeugend. Besser wäre es, begrifflich klar zu unterscheiden zwischen ‚religiös sein‘, ‚an Gott glauben‘, ‚an göttliche Kräfte glauben‘, ‚etwas für heilig halten‘, ’nur an das Menschliche, die Humanität, glauben‘, ‚an bestimmte andere Werte glauben‘ oder eben ‚an gar nichts glauben‘, falls uns das überhaupt möglich ist. All dies ist jedenfalls nicht dasselbe, wie wir z.B. am Buddhismus sehen können.

Die Frage „Brauchen wir einen Gott?“ könntest du in deinem Beitrag also durchaus verschieden beantworten. Etwa: Ja, wir brauchen ihn ganz dringend, aber wir wissen nicht, wo wir ihn suchen sollen oder finden können. Oder: Nein, wir brauchen ihn nicht, aber er braucht uns, um als Verehrter überleben zu können. Zwischen Deismus, Humanismus und Nihilismus sind also noch unzählige andere Positionen möglich und auch philosophisch begründbar.

Auf jeden Fall bin ich gespannt, wie du das Thema angehst: religionsphilosophisch, ethisch, anthropologisch, sprachphilosophisch, naturphilosophisch, technikphilosophisch, wissenschaftsphilosophisch, gesellschafts-, staats-, religions- oder neuro-philosophisch.

Wie siehst du Gottes Rolle und die Religion in unserer heutigen Welt? Welche Chancen und welche Gefahren könnten mit ihm, mit ihr verbunden sein? Du sollst „frei“ und auch mit persönlichen Bewertungen über die Frage nachdenken. Philosophisch wird dein Text dadurch, dass du das Thema in grundsätzlichen Gedanken, Argumenten oder Betrachtungen reflektierst, die zur Orientierung im Leben beitragen können. (Philosophieren heißt nach Kant, sich in Grundfragen des Denkens, Lebens und Handelns zu orientieren.) Solltest du für deine Arbeit eine KI, z.B. Chat GPT oder ein ähnliches Programm benutzen, musst du genau angeben, welche Anteile damit erstellt wurden. Außerdem sollen mindestens 2 Offline-Quellen (Bücher, Zeitschriften oder Zeitungs-Aufsätze) verwendet werden.

Hier noch ein Wunsch: Vermeide, wenn eben möglich, die aufgeplusterten Begriffe „Respekt“, „Wertschätzung“ oder „Vertrauen“, die zwar immer schön klingen und gut gemeint sind, aber selten vorteilhaft verwendet werden: meistens dienen sie nur zum Schmuck des Textes, sagen aber inhaltlich gar nichts Genaues aus!

Dein Text soll maximal 4 Computer geschriebene Seiten umfassen, Schrift-Format z.B. Times New Roman, Größe 12, ca. 3 Zentimeter Rand, einzeilig. Im Kopf der Arbeit sind der volle Name und die Jahrgangs-Stufe anzugeben; am Ende des Essays soll die Erklärung stehen: Ich versichere, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen benutzt habe.

Sende deinen Text bitte in einem Word- oder Pages-Format abgespeichert an:

ulrich.mueller@schule.berlin.de

(Du kannst deine Textdatei aber auch über die Microsoft-Teams-Plattform einreichen.)

Die Bewertungskriterien für eingesandte Texte sind:

1. Themabezogenheit

2. Philosophisch-begriffliches (nicht nur fachwissenschaftliches) Verständnis des Themas

3. Argumentative Überzeugungskraft

4. Stimmigkeit und Folgerichtigkeit

5. Originalität.

Und nun viel Spaß beim Schreiben eines Essays oder anderen Beitrags zur Frage „Brauchen wir einen Gott?“

Herzlicher Gruß,

Dr. Ulrich Müller (Fachlehrer für Philosophie)

Hier noch mal das Wichtigste in Kürze:

16. MFG-Philo-Wettbewerb 2026/27

Ausschreibung: Am 05.11.2026, Margot Friedländers Geburtstag.

Teilnahmeberechtigt: Die Oberstufe und 9. wie 10. Klassen.

Aufgabe: Das Schreiben eines philosophischen Essays oder anderen Beitrags zur Frage: „Brauchen wir einen Gott?“

Format: Computergeschriebener Text; maximal 4 Seiten; Schriftart z.B. Times New Roman in Größe 12, ca. 3 Zentimeter Rand, einzeilig; im Kopf der Arbeit: Name und Jahrgangsstufe; am Ende des Textes die Erklärung: Ich versichere, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen, einschließlich KI, benutzt habe.

Einsendeschluss: Am 12.02.2026 (Kants Todestag)

Adresse: ulrich.mueller@schule.berlin.de

Bekanntgabe der Gewinner/innen: Am 22.04.2027 (Kants 303. Geburtstag)

Preis: Ehrung, Bücher und Urkunden für die drei besten Texte

Genauere Infos auf der Schul-Homepage.